Description
Die Uhr des hauptverhandlungszentrierten Strafverfahrens ist abgelaufen. Das abgekürzte Strafverfahren ohne eine substantielle mündliche und unmittelbare Hauptverhandlung, sei es als plea bargaining, als procedimiento abreviado oder als Verständigung, ist auf eine »Jagd nach dem Geständnis« angewiesen wie der gemeinrechtliche Inquisitionsprozess. Die materielle Wahrheit bleibt auf der Strecke. Als Prüfstein werden die jüngeren lateinamerikanischen Strafprozessreformen kritisch beleuchtet. »The main hearing as a forum of truth. An Analysis with a View on the Criminal Procedure Reforms of Argentina and Mexico«: The clock of the main hearing-centered criminal procedure has run down. Abbreviated criminal proceedings without a substantive oral and direct main hearing, whether plea bargaining, procedimiento abreviado or plea bargaining, rely on a »hunt for the confession« like the common law inquisition trial. Material truth falls by the wayside. As a touchstone, recent Latin American criminal procedure reforms are critically examined. 1. Die mündliche und unmittelbare Hauptverhandlung in der europäischen Rechtsgeschichte: Vom Partei- zum Inquisitionsprozess - Die Entstehung der Hauptverhandlung - Die Verteilung der Prozessrollen in der deutschen Reichsstrafprozessordnung von 1877
2. Wahrheit und Verfahren: Strafprozessmodelle und Wahrheitserforschung - Annäherung beider Modelle
3. Verfahrensrecht und materielles Recht: Der Bezug beider Strafverfahrensmodelle zum materiellen Strafrecht - Wechselwirkung - Innerprozessuale Orientierung
4. Straftheorien und Schuldprinzip als Ausgangspunkt der Wechselbeziehung: Straftheorien und Verfahrensstruktur - Absolute Straftheorien - Relative Straftheorien - Folgerungen für das Strafverfahren
5. Begründungen in Lateinamerika für die Ausgestaltung des adversatorischen Strafprozesses: Der Unparteilichkeitsgedanke - Kritik der adversatorischen Strömung an der früheren Übernahme des europäischen reformierten Strafprozesses in Lateinamerika - Wahrheitsgebot nur im Fall der Verurteilung - Parallele Ansichten in der deutschen Literatur - Erwiderung - Weitere Begründungen in Lateinamerika für eine adversatorische Struktur: das ultima-ratio-Prinzip
6. Die strafprozessualen Wurzeln in Lateinamerika auf Grundlage des kontinentaleuropäischen Modells: Einleitung - Das spanische Inquisitionsverfahren in den Kolonien - Der Reformursprung in Argentinien
7. Die Reformbewegung in Lateinamerika: Verbreitung - Die Verwandlung des ursprünglichen Konzepts - Mexikanische Reformentwicklung
8. Kontinentaleuropäische vs. adversatorische Verfahrensstruktur in Lateinamerika am Beispiel Mexikos: Die Verteilung der Prozessrollen und das Beweisverfahren als Kernpunkt der Modelldichotomie - Die Absprachen im neuen Bundesstrafprozessgesetz Mexikos von 2014 - Schlussfolgerungen
9. Zusammenfassung und Ausblick
Literaturverzeichnis After studying law at the University of Buenos Aires, Argentina, Mariana Sacher became a research assistant and then took over the position as an assistant professor to Professor Dr. Dr. h.c. mult. Bernd Schünemann. After a master's degree, she completed her thesis about »Special Knowledge and Special Abilities in the Doctrine of Criminal Offenses« (Vol. 172). The Faculty of Law of the LMU Munich accepted this habilitation treatise in 2020/2021. Mariana Sacher is a so-called Privatdozentin at LMU Munich since 2021. »Die Untersuchung von Sacher ist umfassend, gründlich und jedenfalls bestens geeignet, den nationalen, aber auch den rechtsvergleichenden Diskurs über die Ausgestaltung von Strafverfahren, konkret die Gewichtung des Kräfteverhältnisses der Verfahrensbeteiligten, neu zu beleben.« Prof. Dr. Gerson Trüg, in: Strafverteidiger, 12/2023



