Full Description
Interessenwahrungsverhältnisse sind Beziehungen, in denen die eine Seite die Macht und die Pflicht hat, die Interessen der anderen Seite nach bestem Ermessen wahrzunehmen und zu wahren. Sie sind intrinsisch und instrumentell äußerst wertvoll. Doch mit der Macht eines Interessenwahrers gehen vielfältige Möglichkeiten des Missbrauchs einher.
Robert Lamersdorf geht mit rechtsvergleichendem Fokus unter Einbeziehung des US-amerikanischen fiduciary law der Frage nach, welche rechtlichen Vorkehrungen angesichts des Missbrauchsrisikos erforderlich sind, um eine produktive Wahrnehmung fremder Interessen zu ermöglichen. Dabei richtet sich der Blick insbesondere auch auf die Grenzen dessen, was das Recht überhaupt unmittelbar zu leisten vermag. Eine Kernthese lautet, dass Zwang, Haftung und Sanktionen zwar unverzichtbare Mittel gegen Machtmissbrauch sind, Vertrauen und Loyalität dadurch jedoch nur in begrenztem Umfang abgesichert werden können. Effektive Interessenwahrung ist vielmehr in erheblichem Maße auf eine außerrechtliche normative Infrastruktur angewiesen, die sich zusammenfassend als „Kultur des Vertrauens" beschreiben lässt. Hierzu zählen internalisierte soziale und moralische Normen, soziale Rollen, Gewohnheiten, Dispositionen und Grundannahmen. Der Autor arbeitet heraus, dass es sich hierbei um eine Form von Sozialkapital handelt, die Merkmale eines öffentlichen Gutes trägt und als solches durch Unterinvestitionen sowie negative Externalitäten gefährdet ist. Daran anlehnend entwickelt er eine weitere These: Dem Recht der Interessenwahrungsverhältnisse kommt eine Regulierungsaufgabe zu, nämlich dieses Sozialkapital und damit das öffentliche Gut „Vertrauen in Interessenwahrer" zu sichern und zu bewahren.
Contents
Einleitung
I. Problemaufriss
II. Methoden
III. Vorgehen
Kapitel 1: Interessenwahrung und Machtmissbrauch
I. Fiduciary Relationships
II. Machtmissbrauch als Regulierungsproblem
III. Zusammenfassung
Kapitel 2: Rechtliche Durchsetzung treuen Verhaltens
I. Fiduciary duties im common law
II. Interessenwahrungsverhältnisse im deutschen Recht
III. Zielkonflikte bei der Ausprägung und Durchsetzung von Treuepflichten
IV. Zwischenfazit
Kapitel 3: Außerrechtliche Regulierung treuen Verhaltens
I. Marktmechanismen
II. Soziale und moralische Normen
Kapitel 4: Vertrauen in Interessenwahrer als öffentliches Gut
I. Vertrauen
II. Der Wert von Vertrauen
III. Nicht-Rivalität und Nicht-Ausschließbarkeit
IV. Unterinvestitionen und negative Externalitäten
Kapitel 5: Schutz von Sozialkapital als Regulierungsfunktion von Treuepflichten
I. Rechtliche Einflüsse auf außerrechtliche Normen
II. Ausprägung im Recht der Interessenwahrungsverhältnisse
III. Schutz von Sozialkapital als Funktion fiduziarischer Treuepflichten
IV. Zusammenfassung



