Description
(Short description)
Luisa Wendel untersucht die sprachliche Struktur von rund 10.000 BVerfG-Entscheidungen und zeigt mithilfe computergestützter Verfahren Konventionen, Entwicklungen und Unterschiede auf. Ihre Erkenntnisse erlauben neue Einblicke in die Rechtsprechung des Gerichts jenseits einzelner Entscheidungen.
(Text)
Die sprachliche Form von Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts ist bisher kaum systematisch untersucht. Luisa Wendel widmet sich dieser Lücke durch eine empirische Studie, die qualitative Analysen mit quantitativen, computergestützten Methoden verbindet. Den Ausgangspunkt bilden normative Vorgaben, die mit Blick auf konkrete Sprachphänomene überprüft werden. Grundlage ist ein umfangreiches Korpus von rund 3.400 Entscheidungen aus der Amtlichen Sammlung sowie 6.900 weitere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts. Besonderes Augenmerk gilt den Teiltexten wie Rubrum, Tenor, Gründe, Tatbestand, Zulässigkeit, Begründetheit und Maßstabsteil, die automatisch oder manuell annotiert und nach Länge, Häufigkeit und sprachlicher Ausprägung ausgewertet werden. Die Autorin zeigt, wie stark diese Teiltexte konventionalisiert sind, welche Unterschiede je nach Entscheidungsart oder Spruchkörper bestehen und wie sich Entwicklungen über die Zeit vollziehen. So wird deutlich, dass die Teile Tatbestand und Begründetheit länger und einheitlicher werden und zunehmend einleitende Zusammenfassungen enthalten. Zugleich verschwinden frühere Besonderheiten, etwa Tatbestände ohne eigenen Teiltext. Die Studie belegt, dass computergestützte Methoden für die Analyse höchstrichterlicher Texte fruchtbar sind und zu neuen Einsichten führen, die aus der Betrachtung einzelner Entscheidungen nicht gewonnen werden können. Damit verbindet die Arbeit Rechtswissenschaft und Sprachwissenschaft und trägt zur Öffnung des Fachs für digitale Methoden bei.
Die Arbeit wurde mit dem Promotionspreis der Juristischen Fakultät 2025 der Humboldt-Universität zu Berlin im Fachgebiet Öffentliches Recht und dem Förderpreis "Sprache und Recht" 2025 der Universität Regensburg ausgezeichnet.
(Table of content)
Einleitung
Kapitel 1: Textsortenforschung
A. Textsorten und Textlinguistik - B. Beschreibungsdimensionen für Textsorten - C. Juristische Textsorten - D. Das weitere Programm dieser Arbeit
Kapitel 2: Das Korpus
A. Grundlagen der Arbeit mit Korpora - B. Erstellung des Ausgangskorpus - C. Zwischenfazit
Kapitel 3: Teiltexte
A. Teiltexte in Entscheidungen - B. Teiltexte in den Gründen - C. Teiltexte in der Begründetheit
Kapitel 4: Sprachliche Eigenschaften
A. Theorie - B. Tatbestand und Entscheidungsgründe - C. Maßstab und Subsumtion - D. Zwischenfazit
Zusammenfassung
Appendix: A. Reguläre Ausdrücke für die Annotation von Entscheidungs-bestandteilen - B. Annotationsrichtlinien - C. Zusätzliche Abbildungen - D. Inhaltsbezogene Lexical Bundles in Tatbestand und Entschei-dungsgründen (amtliche Sammlung)
(Short description)
Luisa Wendel examines the linguistic structure of around 10,000 decisions of the Federal Constitutional Court. With the help of computer-aided methods, she reveals conventions, developments and differences. Her findings provide new insights into the court's jurisprudence beyond individual decisions and contribute to digital legal linguistics.



