Description
(Text)
Plötzlich stehen Lastkraftwagen vor der Tür. Sie waren nicht bestellt. Uniformierte wecken die Familie kurz vor Tagesanbruch mit Sturmklingeln. In vier Stunden sollen die privaten Sachen gepackt sein Was bis dahin nicht eingeladen war, durfte nicht mitgenommen werden.
Die Geschichte der Familie von Otto Schönemann klingt, als würde sie in Ostpreußen spielen - wie vor 66 Jahren, als die Menschen in Trecks vor der nahenden Front fliehen mussten.
Aber sie spielt 1961, nahe der Elbe in der ältesten Stadt der Prignitzregion - in einem kleinen über 1000 Jahre alten Ort an der niedersächsischen Grenze. Es trifft eine Handwerkerfamilie mit 99jahriger Tradition.
Der Sohn des Handwerkers ist der Autor dieser wahren Geschichte. Als 20jähriger trifft ihn und die 60jährigen Eltern die Aktion der DDR-Führung "Festigung". Im Parteideutsch der SED waren Auszusiedelnde "Ungeziefer", deren Traumatisierung erst nach dem Untergang der DDR aufbricht. Er beschreibt seine persönlichen Erlebnisse aus der Perspektive eines Opfers der kommunistischen Diktatur.
Der Autor setzt Tausenden Zwangsausgesiedelten (was nach dem Völkerrecht einer Deportation in Friedenszeiten entspricht) in seinem Buch ein literarisches Denkmal, reflektiert die politischen Bedingungen in der DDR, die Repressalien und Beschränkungen, aber auch den Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfe der Menschen untereinander.
Enttäuscht resümiert er die völlig unzureichende Aufarbeitung der SED-Diktatur, den ungeahnt milden juristischen Umgang mit den Tätern seit 1990 sowie die saturierten Renten für das SED- und Stasi-Führungspersonal. Die Politik verweigert den Deportierten bis heute die Wiederherstellung ihrer Würde.
Sie erhielten bisher nicht einen Cent Entschädigung.
(Table of content)
Aus dem Inhalt:
Geleitwort Manfred Graf von Schwerin
Ein Tag, der Geschichte schreibt
Eine ganz besondere Bahnfahrt
Genehmigungswillkür
Heimatstadt Lenzen
Betriebsgründung
Schwierige Jahre
Drittes Reich, Krieg und das Ende
Elbgrenze
Geschäfts- und Wohnhaus
Kleinstadtleben
Oberschulzeit
Verheerender Waldbrand
Ein Jahrzehnt geht zu Ende
Zwangskollektivierung
Bauernhochzeiten
Erlebnisse, Gefühle, Entscheidungen
Seltene Erholungstage
Der 13. August 1961
Wochen der Ungewissheit
Die Aktion "Festigung"
Abschied von der Heimat
Die Staatssicherheit - Werber und Erpresser
Unbewohnbare Unterkunft
Suche nach einer menschenwürdigen Bleibe
Ämterkarussell
Bescheidener Neuanfang
Bahnhof Wittenberge
Erste Wochen in der Ersatzheimat
Kleine Fortschritte, neue Sorgen
Die letzten Jahre der Eltern
Parteilos im SED-Staat
Urlaubsreisen hinter dem Eisernen Vorhang
Das Ende einer nicht alltäglichen Bahnfahrt
1989, das Jahr der Entscheidung
Freude, Sorgen und psychische Probleme
Einheit und Aufarbeitung
Das Schicksal der Zwangsausgesiedelten
Nachwort



