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Description


(Short description)
Die dreizehnjährige Sophia ist magersüchtig. Ihre Abneigung gegen das Essen ist in Wahrheit eine Abneigung gegen ihr Elternhaus, gegen ihre alkoholkranke Mutter und ihren erfolglosen Vater, der seinen Frust an seiner Tochter auslässt. Nach außen lebt Sophia ein typisches Teenager-Leben - sie hat Freunde, verliebt sich, sammelt erste sexuelle Erfahrungen. Aber dann bricht sie mehrfach zusammen und kommt in therapeutische Behandlung. Und hier lernt Sophia, was es bedeutet, durch die Hölle zu gehen ...
(Extract)
Montag, 1. Januar 1996
Dieses Jahr feierte meine beste Freundin Amélie mit mir und meiner Familie Silvester. Kurz vor 24.00 Uhr gingen Amélie und ich zur Kirche und sahen uns das Feuerwerk an. Von dort oben kann man bis über die Grenze sehen. Es war wunderschön, aber kalt. Später gossen wir Blei, was wir wohl lieber hätten lassen sollen. Amélies Bleifigur sah eindeutig aus wie ein Arm. Mein Vater las uns danach die Bedeutung der Figuren vor. Unter "Arm" stand: "Tod eines Angehörigen". Für jemanden wie Amélie, die gerade ihre Mutter auf tragische Weise verloren hat, ist das wirklich nicht sehr motivierend. Amélies Mutter hat sich im September das Leben genommen. Amélie und ihre Schwester haben sie auf dem Speicher gefunden, nachdem die Feuerwehr schon Stunden nach ihr gesucht hatte.
Die ganze Nacht hab ich mit Amélie über die Geschichte geredet, und sie hat mir Sachen erzählt, von denen ich keine Ahnung hatte. Zum Beispiel, dass ihre Mutter tablettensüchtig und schon einige Male in der Psychiatrie war. Ich war richtig stolz, dass sie mir das alles anvertraute, schließlich erzählt man so etwas nicht jedem. Doch dann hat Amélie plötzlich gesagt: "Aber ich hab ja schon eine neue Mutter gefunden!"
Und damit meinte sie, verdammt noch mal, meine!
Natürlich hab ich ihr dann erzählt, was mit meiner Mutter los ist. Ich war sowieso der Meinung, Amélie hätte es längst bemerkt, weil es in unserer Wohnung immer nach Alkohol stinkt. Sie konnte es erst gar nicht glauben.
Dienstag, 2. Januar 1996
Heute bin ich zum tausendsten Mal zu dem Entschluss gekommen auszuziehen. Da ich aber erst dreizehn bin, wird die Sache etwas kompliziert. Doch dass ich es nicht mehr allzu lange hier aushalte, steht fest! Meine Mutter, diese Aspirineinwerferin, wollte mich heute mal wieder abknutschen, was ich total ekelerregend und abstoßend finde. Das versteht sie aber nicht, besser gesagt, ich sage ihr das nicht, weil ich sie nicht verletzen will, und lasse alles über mich ergehen. Genauso wie ich es ekelerregend und abstoßend finde, dass unser ganzes Essen verschimmelt und in unserem Küchenschrank die Maden sitzen und mich blöd angrinsen, wenn ich die Tür öffne. Mein Vater fragt dann auch noch so dämlich, warum ich denn nichts esse. Überall, wo man hinschaut, liegt der Staub fingerdick, überall liegt Müll, es schimmelt und kreucht und fleucht in allen Ecken, und weil unsere Wohnung so klein ist, bekomme ich immer mehr das Gefühl, mich in einer engen, dunklen Höhle zu befinden, aus der es keinen Ausgang gibt.
Meine Mutter schläft seit einigen Monaten nicht mehr hier oben in der Wohnung. Sie zieht sich immer mehr in ihr Kellerzimmer zurück und kommt nur hoch, wenn sie auf die Toilette muss. Immer wenn ich sie sehe, würde ich am liebsten kotzen.
Den absoluten Höhepunkt des Tages verschaffte mir allerdings mein Vater. Amélie hatte mir zu Weihnachten eine Wüstenrennmaus geschenkt. Sie hieß Sylvester und war ganz schwarz, mit einer weißen Nasenspitze. Als ich heute versehentlich ein Glas runterwarf, weil mein idiotischer Vater mich angerempelt hatte, und mich dann weigerte, es aufzuheben - erstens, weil auf dem Boden eine 3-cm-Durchmesser-Spinne saß, und zweitens, weil ich nicht einsah, dass i c h es aufheben musste, denn schließlich hatte e r mich ja angestoßen -, da ist mein Vater plötzlich zu Sylvesters Käfig gestürmt, hat ihn gepackt, ist ins Bad gelaufen und hat ihn das Klo runtergespült. Und zwar Sylvester, nicht den Käfig. Dabei hat er geschrien: "Ab heute lasse ich dir solche Sperenzchen nicht mehr durchgehn, meine Dame! Ich hoffe, das ist dir eine Lehre!" So ein widerliches Schwein! Ein lebendes Tier das Klo runterspülen! Ich hasse meinen Vater dafür.
Hätte ich doch das blöde Glas aufgehoben!
Mittwoch, 3. Januar 1996
Wenn dieses Jahr so weitergeht wie die ersten drei Tage, sehe ich mich wirklich gezwungen, mein Leben grundlegend zu ändern. Heute wollte mich mein Vater zwingen, ein Wiener Wü